Collections & Institutions

Raiffeisenlandesbank Oberösterreich · Katholische Privat-Universität Linz · Kunstuniversität Linz

Raiffeisen Kunstsammlung
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Katholische Privat-Universität Linz
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Kunstuniversität Linz

Six works by Kurt Stimmeder — two oil paintings and four original lithographs — are held in the art collection of the Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, a collection that is being catalogued art-historically by the Katholische Privat-Universität Linz and filmed by the Kunstuniversität Linz. Three institutions, one long-term project.

01 — The Collection

Raiffeisenlandesbank Oberösterreich Art Collection

Corporate collection · Linz (AT)

The Raiffeisenlandesbank Oberösterreich collects contemporary Austrian art with a regional focus and understands itself as a long-term patron of the artists it acquires. In Linz alone the collection comprises around 4,000 works, among them pieces by Fritz Aigner, Christian Ludwig Attersee, Gunter Damisch, Helmuth Gsöllpointner, Martha Jungwirth and Hermann Nitsch.

Kurt Stimmeder was named among the collection’s recent acquisitions of Upper Austrian artists. Six of his works — two oil paintings and four original lithographs — are held in the collection, which also presented his work in the exhibition Path of Diversity at the Raiffeisen Art Collection in Linz in 2025.

  • HoldingsTwo oil paintings and four original lithographs by Kurt Stimmeder
  • Collection sizeAround 4,000 works in Linz
  • ExhibitedPath of Diversity, Raiffeisen Art Collection, Linz · 2025

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02 — Art-Historical Research

Katholische Privat-Universität Linz

Institut für Geschichte und Theorie der Kunst · since 2017

Since the winter semester of 2017/18, master’s and doctoral students at the Institute for the History and Theory of Art have been working through the Raiffeisen art collection under the direction of Univ.-Prof. DDr. Monika Leisch-Kiesl. What began as the seminar Kunst Sammeln has grown into a long-term cooperation between university and bank.

The students produce detailed scholarly descriptions of selected works — each in an academic long version and a shorter version intended for publication. The results are presented at the Raiffeisenlandesbank at the end of every project phase. By mid-2024, after eleven phases, more than 170 contemporary works by around 70 artists had been catalogued in this way.

  • InstitutionKatholische Privat-Universität Linz, Institut für Geschichte und Theorie der Kunst
  • DirectionUniv.-Prof. DDr. Monika Leisch-Kiesl
  • Running sinceWinter semester 2017/18
  • Scope170+ works by around 70 artists

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03 — Film

Re:Frame — Kunstuniversität Linz

Department of Time-Based Media · Studio portrait 2023

In the next stage of the project the Kunstuniversität Linz and its Department of Time-Based Media were invited to join. In the course Neu Rahmen. Die Kunstsammlung im Zeitalter ihrer digitalen ReproduzierbarkeitRe:Frame. The art collection in the age of digital reproducibility — led by Dariusz Kowalski, students visit selected artists of the collection in their studios and develop short documentary portraits from the material. The visual concept is deliberately polyphonic: several cameras, many angles, no single omniscient view.

Kurt Stimmeder’s Linz studio was filmed on 26 June 2023 as station No. 04 of the project.

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04 — Works

Works in the Collection

Two oil paintings · four original lithographs

Oil paintings
Folded Hands — oil on canvas by Kurt Stimmeder
Folded Hands
Oil on canvas · 40 × 30 cm · 2025

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Katholische Privat-Universität Linz · Institut für Geschichte und Theorie der Kunst · im Auftrag der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich
Der gespannte Bogen — oil on linen by Kurt Stimmeder
Der gespannte Bogen
Oil on linen · 93 × 102 cm · 2020

Das Bild des oberösterreichischen Künstlers Kurt Stimmeder erweckt unmittelbar den Eindruck eines historischen Gemäldes. Mit Ölfarben entwickelte der Künstler sein Motiv auf Leinen, gerahmt von einem schweren dunklen Holzrahmen. Doch bei näherem Betrachten werden Details sichtbar, die verraten, dass es sich um ein zeitgenössisches Werk handeln muss.

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Links und rechts, je am äußeren Rand, sind zwei Figuren zu sehen, abgebildet als Halbfigur. Auf der linken Seite ist eine männliche Person dargestellt. Er trägt Glatze, einen schwarz-grau melierten Vollbart und dazu einen dunklen Kapuzenpullover. Sein stechender Blick ist direkt an die Betrachter:innen gerichtet, ansonsten wirkt das Gesicht emotionslos. Am rechten Rand der Leinwand ist eine weibliche Person zu sehen. Auf dem Kopf trägt sie ein gemustertes, gebundenes Tuch und dazu ein dunkles Kurzarm-Shirt. Im Gegensatz zur linken Person ist ihr Blick in Richtung des Bildrandes abgewandt. Der Gesichtsausdruck bietet viel Interpretationsspielraum und könnte von gedankenverloren und nachdenklich bis hin zu prüfend oder leidend verstanden werden. Abgewinkelt vor ihrer Brust ist ihr linker Arm zu sehen. In der Hand hält sie einen weißen Lackstift.

Zwischen den Figuren entwickelt sich eine Szene, welche die Blicke auf sich zieht. Denn dort ist eine Leinwand zu sehen – ein Bild im Bild. Indem es von der männlichen Person gehalten wird, und auch die Frau damit interagiert, schafft es Kurt Stimmeder, die verschiedenen Ebenen miteinander zu verbinden.

Im Zentrum steht eine nackte Gestalt in Rückenansicht, die sich in drehender Bewegung den Betrachter:innen zuwendet. Die Gesichtszüge und Körperform lassen dabei auf eine vergleichsweise jüngere Figur schließen. Der Blick ist ernst und wieder direkt aus dem Bild heraus gerichtet. Am Rücken sind kleine Flügel zu entdecken, die unmittelbar an eine mythologische Figur denken lassen. Auf der Suche nach einer genaueren Zuordnung, entdeckt man weitere Details. Mit beiden Händen stützt sie sich auf eine Waffe, deren Lauf nach oben zeigt. Obwohl halb verdeckt, hat die Kalaschnikow dennoch eine starke Präsenz im Bild. Grund dafür ist wohl einerseits die Größe – entspricht sie doch beinahe der Höhe der zentralen Figur. Andererseits fällt ein Schriftzug am Magazin des Maschinengewehrs auf. In Großbuchstaben ist hier das Wort GOLD zu lesen. Dessen weiße Farbe korrespondiert zum Stift in der Hand der Frau und schafft so eine weitere Verbindung zwischen den beiden Erzählungen. Ein scheinbar wichtiger Hinweis – und doch bleibt unklar wofür.

Dahinter ist zentral eine weitere Szene zu sehen, die von den Beinen der mythologischen Figur gerahmt wird. Zwei kleine Kinder erscheinen hier eng umschlungen. Eines der beiden wendet seinen Blick direkt den Betrachter:innen zu und zieht das andere näher zu sich. Dieses hingegen kneift die Augen zusammen, verzieht den Mund und will sich wohl aus der Verbindung lösen.

Die inhaltliche Dichte lässt trotz der detailgetreuen Darstellung viele Fragen des Publikums offen. Wer sind diese Menschen? In welchem Verhältnis stehen sie zueinander? Einen Anhaltspunkt könnte in der Kunstgeschichte zu finden sein. So bringen uns die Flügel der zentralen Figur sowie der gespannte Bogen im Titel auf die Fährte von Amor. Und wirklich: Parmigianino malte um 1539 einen Amor, der große Ähnlichkeiten zu der Darstellung Stimmeders aufweist.

Kurt Stimmeder entschied sich jedoch, zentrale Details zu ändern. So tauschte er beispielsweise den Bogen gegen die Kalaschnikow. Auf diese raffinierte Weise gelingt es dem Künstler, eine Verbindung zwischen verschiedenen Welten herzustellen: sowohl innerhalb des Bildes als auch darüber hinaus.

Parmigianino, Bogenschnitzender Amor, 1534–39. Öl auf Lindenholz, 135,5 × 65 cm. Kunsthistorisches Museum Wien.

© Franziska Heiß MA, 2023
Katholische Privat-Universität Linz · Institut für Geschichte und Theorie der Kunst · im Auftrag der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich

Original lithographs
Catsugi — original lithograph by Kurt Stimmeder
Catsugi
Original lithograph · 9-layer print, Prague · Edition of 25, signed

Von einem leeren dunklen Raum umgeben, zeigt sich das Dargestellte im Bild dem Betrachter vorerst klar. Zwei menschliche Arme treten aus beiden seitlichen Rändern des Bildes hervor. Sie heben sich hell beleuchtet vom schwärzlichen Hintergrund ab und bewegen sich in einem beinahe bikonvexen Verhältnis zueinander in Richtung Bildmitte.

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Die durch diese Haltung erzeugte, langsam schlängelnde Bewegung der beiden Arme, deren Haut reichlich mit diversen Tätowierungen geschmückt ist, wirkt jedoch leicht gehemmt durch das behutsame Halten einer kleinen schwarzen Katzenfigur. Diese besitzt verhältnismäßig große hervor blitzende Augen und steht in einer buckeligen Position auf einem ovalen weißen Körper, dessen Aussehen einem Flussstein ähnelt. Die glatte spiegelnde Oberfläche von Katze und Stein wird von oben bis unten von gewellten goldfarbenen Linien durchdrungen. Dass es sich hierbei um eine Keramikfigur handeln könnte, wird neben der sichtbaren Oberflächenbeschaffenheit auch vom Bildtitel suggeriert. „Catsugi“ ist ein Wortspiel, das sich aus dem englischen Begriff für Katze und der japanischen Kunsttechnik, Kintsugi, zusammensetzt. Bei dieser Technik werden bereits zerbrochene Keramikgegenstände aus ihren Scherben wieder zusammengesetzt und die entstandenen Risse mit vorzugsweise goldener Farbe gefüllt, um aus dem einst kaputten Gegenstand ein neu geborenes Kunstwerk zu schaffen. Sowohl die Lichtreflexionen, als auch die Goldlinien des Gegenstands heben die Form und Kontur der vorerst vielleicht nicht eindeutig erkennbaren schwarzen Katze letztendlich klar vom finsteren Hintergrund ab.

Im Hintergrund aber ist nichts zu erkennen außer einer dunklen, leicht nebligen Atmosphäre, deren Räumlichkeit vor allem durch das vom oberen Bildrand herabscheinende Licht, dessen Quelle sich außerhalb des Bildes befindet, zur Geltung kommt. Dieses Licht ist auch für die klare Sichtbarkeit der im Bild erkennbaren Motive und die dahinterliegende räumliche Leere relevant, doch verstärkt es auch eine eigentlich mystische Atmosphäre dieser Lithographie. Von wem stammen diese Hände? Die Größe und Form beider Körperteile und vor allem die Ähnlichkeit der Tätowierungen lassen die beiden Arme einer einzelnen Person vermuten, doch zeigt sich im Hintergrund kein dazugehöriger Körper, was die scheinbar naturalistische Darstellung bricht. So erscheinen diese konkret abgebildeten Motive in einer beinahe abstrahierten, beziehungsweise theatralisch inszenierten, keinesfalls aber in einer realistisch gezeigten Welt. Letztendlich könnte es sich bei den Gliedmaßen auch um voneinander isolierte Elemente handeln. So verbinden sich die beiden Arme mit der aus zersprungenen Teilen wieder vervollständigten Keramikfigur zu einem Gesamtkonzept. Verloren Geglaubtes sowie möglicherweise Getrenntes fügen sich zu einem Kunstwerk, das als solches ein Ganzes bildet.

© Johannes Huemer, 2025
Katholische Privat-Universität Linz · Institut für Geschichte und Theorie der Kunst · im Auftrag der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich
Hot Dog — original lithograph by Kurt Stimmeder
Hot Dog
Original lithograph · 11-layer print, Prague · Edition of 69, signed

Hände sind in Kurt Stimmeders Œuvre ein besonderer Bestandteil, den er immer wieder auf neue Weise behandelt. Die meisten Lithografien dieser Art werden durch einen monochromen, häufig schwarzen Hintergrund und einen auratisch präsentierten Gegenstand im Zentrum des Bildes bestimmt.

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Im Gegensatz dazu setzt sowohl der Titel Hot Dog als auch das damit verbundene Hauptmotiv eine humorvolle Grundstimmung. Der Titelträger der begrifflichen Zusammensetzung ist eine kleine, pinke Bulldogge. Nachdem somit klar wurde, dass es sich um eine wörtlich genommene Auffassung des Ausdruckes „Hot Dog“ handelt, stellt sich folglich die Frage, inwiefern das Adjektiv des Titels in Erscheinung tritt. Das recht unscheinbare Warnzeichen für Hitze, das sich im linken unteren Eck der Lithografie befindet, liefert den bislang fehlenden Part des Titels.

Während das Symbol für sich selbst, gewissermaßen nonfigurativ, im Raum steht, wird die Hundefigur vorsichtig von den Händen einer Person gehalten. Sie berührt die Miniatur nur mit den Fingerspitzen, während beide kleinen Finger, wie bei einer formellen Geste, elegant abgespreizt sind. Man würde erwarten, dass ein Werk, in dem eine quietschpinke Darstellung einer überzüchteten Hunderasse im Vordergrund steht, kitschig anmutet. Doch stattdessen erscheint einem dieser „Hot Dog“ beinahe edel. Trotz der Farbgebung des Hundes, die statt an ein kostbares Material eher an Kunststoff oder Gummi denken lässt, strahlt die Figurine etwas Erhabenes aus. Wie von einem Podest gehoben behält der Hund in den Händen der Frau eine aufrechte und stolze Haltung. Sie hebt ihn mit sichtlicher Behutsamkeit in das Zentrum des Bildes – so, als würde sie uns ein kostbares Artefakt präsentieren.

An ihrer linken Hand trägt die Person eine elegante Armbanduhr und einen dazu passenden Ring. Es scheint, als würden beide damit nicht nur ihre Hand, sondern auch den gehaltenen Gegenstand auf dezente Weise schmücken. Das in Blattgold ausgeführte Vorsicht Heiß!-Symbol, das Titel-bedingt in einem unmittelbaren Verhältnis zur Bulldogge steht, veredelt diese zusätzlich.

Sowohl das Zeichen als auch die Hundefigur heben sich stark vom petrolgrünen Hintergrund ab. Diese schlichte Farbgebung, zusammen mit der übersichtlichen Komposition der einzelnen Bildgegenstände, setzt den Hund gezielt ins Zentrum.

Ob durch das gegenseitige Aufeinander-Wirken der Bildelemente oder durch die farbliche Inszenierung, bei dem Tier bündelt sich schlussendlich die volle Aufmerksamkeit. Doch anstatt aufdringlich im Vordergrund zu stehen, behauptet es den Bildraum wie eine Bühne. Auf verspielte Weise balanciert das Werk zwischen Eleganz und Absurdität und bringt damit gewiss so manchen Betrachtenden zum Schmunzeln.

© Moritz Kreiner, 2025
Katholische Privat-Universität Linz · Institut für Geschichte und Theorie der Kunst · im Auftrag der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich
Cat’s Gold GOLD — original lithograph with 24k gold by Kurt Stimmeder
Cat’s Gold GOLD
Original lithograph · 8-layer print with 24k gold, Prague · Signed

Von strahlendem Gold umringt, das den Blick sogleich auf sich zieht, zeigt die Lithografie Katzengold in realistischer Darstellung zwei aus den gegenüberliegenden rechten und linken Bildrändern kommende, umfangreich tätowierte Hände, die in der Bildmitte eine kleine, schwarze Katzenskulptur präsentieren. Bedacht darauf, nicht zu viel von der Figur zu verbergen, berühren die Finger nur ihre Ränder: sie soll möglichst gut gesehen werden.

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Damit wird deutlich kommuniziert, dass die Katze eine besondere Bedeutung hat. Kurt Stimmeders Komposition ist sehr simpel und tendiert zur formelhaften Reduktion. Neben der geschickten Inszenierung des Ganzen ist es aber auch die Eigenqualität der einzelnen Bildelemente, die die Betrachter*innen in ihrem Wechselspiel in den Bann ziehen. Jedes von ihnen scheint die Aufmerksamkeit für sich monopolisieren zu wollen. Ist es einmal der Kontrast des leuchtenden Golds mit dem markanten Schwarz der Katze, der den Blick festhält, ist es sodann eines der beiden Phänomene allein, d. i. die Katzenfigur in ihrem Glanz, dem verstohlenen linken Auge und ihrer mystisch anmutenden Dunkelheit, oder die Nobilität und Ortslosigkeit des Goldhintergrunds. Wieder einen Moment später verweilt der Blick bei den Einzelheiten der Hände mit ihrer vielfältigen Motivik, die von stark stilisierten Schriftzügen über abstrakte Formen bis hin zu elaborierten, aber nur fragmentarisch sichtbaren, figuralen Motiven reicht.

Unweigerlich drängt sich bei der Fülle an Fokuspunkten die Frage nach der Bedeutung des Ganzen auf: Die Abbildung zweier Hände mit einer Katzenskulptur wird doch nicht bereits alles sein? Wieso dann die Nobilitierung mit dem Goldgrund, wieso diese Hände, wieso gerade eine schwarze Katze? Die Isolation des Motivs lädt dieses mit Bedeutung auf, suggeriert, dass es über das ‚Buchstäbliche‘ hinaus eine weitere, tieferliegende Sinnebene zu finden gäbe. Der Goldgrund legt zudem religiöse Assoziationen nahe, etwa jene der Präsentation von Brot und Wein während der Wandlung in der katholischen Messe. Jedoch bietet die Katze – ebenso wie die übrige Szene – keinerlei Anhaltspunkte für eine eindeutige Zeichenbeziehung, es ist unklar, wofür die einzelnen Elemente stehen sollen. Zwar legt der Werktitel eine Interpretation nahe, da er einen Doppelsinn beinhaltet: einerseits beschreibt er das eigentümliche Aufeinandertreffen von Katze und Gold im Bild selbst, andererseits handelt es sich um eine volkstümliche Bezeichnung für den Edelstein Pyrit, dem in der Esoterik die Eigenschaft zugesprochen wird, für eine Stärkung authentischer Selbstwahrnehmung zu sorgen. Allerdings führt diese Deutung vom eigentlich Dargestellten weg, sieht z. B. von den Händen und ihrer Gestik, den reichhaltigen Tattoos oder der spezifischen Körperhaltung der Katze ab. Sie privilegiert den gedanklichen Inhalt über das Zu-Sehen-Gegebene. Die Tätowierungen, in denen wir Planeten, die Schriftzüge „free“ und „savage“ sowie wolkenartige Umrisse erkennen oder eine Insektendarstellung erahnen; die Katzenfigur, deren übertrieben bucklige Haltung und seitlicher Blick keinen eindeutigen Schluss auf eine Aussage oder einen Gemütszustand zulassen – dies alles würden wir ignorieren, wenn wir dem Titel unbedacht gefolgt wären.

Katzengold ist ein Bild, bei dem man vorsichtig sein muss. In der Gleichzeitigkeit einer enormen Konzentriertheit der Komposition und einer Überfülle des Sichtbaren ist die Versuchung groß, den Sehvorgang zu beenden und bei einer abschließenden Bedeutung Halt zu machen. Zu verwirrend sind die Details, die Einzelelemente, die alle bedeutend sein könnten. Jedoch wäre vielleicht gerade das Eintauchen in die Bildwelt, das Nachfühlen der Szene, das Abtasten der Oberfläche, also das aufmerksame Sehen, das, was dem Werk am ehesten gerecht würde.

© Stefan Gassenbauer MA, 2024
Katholische Privat-Universität Linz · Institut für Geschichte und Theorie der Kunst · im Auftrag der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich
Talking Hands — original lithograph by Kurt Stimmeder
Talking Hands
Original lithograph · 8-layer print, Prague · Edition of 80, signed

Das Werk von Kurt Stimmeder hat eine rechteckige, beinahe quadratische Form. Akzentuiert mit einem schwarzen Rahmen und weißem Passepartout leuchtet die Lithografie aus dem gerahmten Bild heraus und nimmt die Betrachter:innen in ihren Bann.

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Dominantes Schwarz hebt die eigentliche Szene des Werkes in den Vordergrund und präsentiert zwei Hände in augenscheinlicher Bewegung. Fast tänzerisch anmutend, je eine Gebisshälfte haltend, platzieren sich die Hände dynamisch im Bild. Trotzdem verweilen sie weiterhin statisch und still in ihrer Position.

Ornamenthafte Tattoos in einem gedämpften dunklen Grün zieren die Handrücken, Handgelenke und Arme. Das Inkarnat der Finger und Handflächen wiederum schimmert in einem changierenden Rot. In den unterschiedlichen Tattoos stechen vor allem eine Rose und eine Dornenranke hervor. Weiters ist am rechten kleinen Finger in einem schwarzen Schriftzug I LOVE YOU in Großbuchstaben zu lesen. Bezieht man das Symbol der Rose und der Dornenranke auf diese Aussage, kommt die Frage auf: „Wird hier eine Liebesgeschichte erzählt?“

Die Lithografie als Gesamtes ist sehr fein gearbeitet und spielt mit einer gekonnten Setzung von Licht und Schatten. Die Arme und das Gebiss sind übersät mit leichten und zarten Schraffuren. Doch drängt sich auch das intensive Schwarz immer wieder in den Vordergrund und lenkt das betrachtende Auge auf eine kleine freie weiße Fläche am linken unteren Rand der Lithografie, die zunächst irritiert. Wurde sie absichtlich dort platziert? Von der Form her erinnert die Stelle an das Motiv eines Schlüssellochs. Wofür dieses Schlüsselloch stehen soll oder welche Funktion ihm zukommt bleibt jedoch offen.

Das Bild lässt in einer gewissen Art an den Surrealismus denken. Die Szenerie wirkt wie aus einem Traum entnommen oder als würde eine Metapher allmählich Gestalt annehmen. Es könnte sich aber auch um die Personifizierung von Gebärdensprache handeln. Hände, die mithilfe eines Gebisses plötzlich der Sprache fähig werden und die Betrachter:innen in ein Gespräch verwickeln.

© Theresa Eschelbeck BA, 2023
Katholische Privat-Universität Linz · Institut für Geschichte und Theorie der Kunst · im Auftrag der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich

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